Wenn die Komfortzone unkomfortabel wird

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Eigentlich könnte alles so schön sein: das Haus im Grünen mit dem Golden Retriever, die Karriere auf dem Höhepunkt, das pralle Bankkonto, das Sicherheit gibt. Es gibt nichts, um das man sich sorgen müsste … also macht sich unser Geist daran, etwas zu finden, um das wir uns sorgen können. Da kommen Gedanken wie: Schon wieder Urlaub in Südtirol. Langweilig! Rafting im Grand Canyon – das wäre mal was! Oder: Diese spießige Familienkutsche wollte ich doch nie haben. Was ist aus meinem Traum vom Porsche 911 geworden?!

Im Volksmund sprechen wir bei solchen Gedanken und den häufig darauffolgenden Aktionen von einer Midlife-Crisis. Dabei geht es gar nicht zwingend um das Älterwerden, auch nicht um den Kombi oder das Ferienhaus in Italien. Es geht um unseren Geist und darum, dass ihm langweilig ist: „Kenne ich schon, habe ich schon gemacht, immer das Gleiche“. Der Drang auszubrechen wird größer. Dann treten wir eben jemandem auf den Schlips, brechen einen unnötigen Streit vom Zaun, reißen Brücken hinter uns ab. Das fühlt sich gut an. Für den Moment. Wir wollen uns aufregen, denn dann wird das Leben aufregend!

Aus bekannt wird langweilig

Die Sicherheit, die wir vermeintlich ein ganzes Leben lang anstreben, ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hilft sie dabei, den komplexen Alltag zu bewältigen. Alles ist schnell eingeordnet, das spart Zeit und Energie. Auf der anderen Seite kann aber etwas, das schon lange bekannt ist, schnell langweilig wirken. Wenn alles schon einmal gesehen, gemacht, erlebt wurde, wird das Leben bequem und der Geist fährt langsam aber sicher in Stand-by. Und noch etwas passiert: Unser Kopf gaukelt uns vor, dass wir wirklich alles in unserem Umfeld bereits kennen. Wir nehmen nur Bekanntes wahr, Unbekanntes und Neues wird direkt herausgefiltert. In der Psychologie nennt man dieses Phänomen, das unweigerlich das Leben öde macht: Confirmation Bias.
Auch Manager erleben diese „Verkalkung“. Und zwar häufig bevor im Unternehmen ungesteuerter Aktionismus ausbricht, weil „alles neu gedacht werden muss“. Mitunter mag das richtig sein, aber grundsätzlich gilt es zu fragen: Was soll erneuert werden und warum? Gibt es wirtschaftliche Notwendigkeiten, weil das Unternehmen ohne neue Technologien, Verfahren etc. bald an der Seitenlinie stünde? Oder ist das Management beunruhigt, weil die Belegschaft „so eingefahren“ wirkt? Einer solchen Diagnose liegt häufig ein Confirmation Bias im Management zugrunde.

Werden Sie zum Anfänger!

Im Privatleben besteht der Ausweg aus dem durch Confirmation Bias verödeten Leben oft im klischeehaften Verhalten der Midlife-Crisis: Bungee Sprung statt Familienausflug, Geliebte statt Ehefrau, und so weiter. Das ist eine Therapie, die sich sehr schnell abnutzen wird. Ein Bungee Sprung, schön und gut, aber was wird es beim nächsten Mal? Ein höherer Sprung? Was werden Sie auf sich nehmen müssen, um Ihren Adrenalinpegel dauerhaft oben zu halten, sodass Ihrem Ego nicht langweilig wird?

Wirklich nachhaltig gehen Sie den Confirmation Bias nicht mit Veränderungen im Außen, sondern nur mit einem offenen Geist an. Neues können Sie überall entdecken, weil es überall vorhanden ist. Sie müssen nur Ihren Geist wieder dahingehend öffnen, diese unbekannten Aspekte im Alltag wahrzunehmen. Denken Sie an Kinder: Für sie ist jeder Tag neu, aufregend und voller Abenteuer. Kinder haben einen offenen Geist, einen „Beginner’s Mind“.

Dieser Anfängergeist lässt sich üben: ein anderer Stuhl im Meeting, ein anderes Gesprächsthema beim Mittagessen, ein Blick auf die andere Straßenseite im Bus – klingt banal, hat aber Wirkung. Schauen Sie mal Ihren Lebenspartner an, als würden Sie ihn heute das erste Mal sehen.
Und wie steht es mit Ihnen selbst? Wissen Sie tatsächlich schon alles über sich? Oder ist es nicht viel eher so, dass Ihnen zwar einiges bekannt ist, Sie vieles Neues aber noch kennenlernen und erforschen können? „Ich weiß halt, wie ich bin“ – aus meiner Erfahrung ist das einer der größten Verhinderer von Entwicklung und innerem Wachstum.
Ob Sie auf die Welt um Sie herum oder in sich selbst hineinschauen – dem Confirmation Bias entkommen Sie nur außerhalb der Komfortzone. Nur dort wird ihr Leben interessant und spannend. Um die Komfortzone zu verlassen, brauchen Sie keinen neuen Wagen oder neuen Job. Alles, was Sie brauchen, ist ein offener Geist und der Wille, neugierig und mutig zu leben. Nicht indem Sie aus dem nächsten Flugzeug springen, sondern indem Sie den Schritt in das Neue im Alten wagen. Jeden Tag.

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