Probleme: Warum eine Landkarte nicht die Landschaft ist

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Job verloren. Partner futsch. Flieger verpasst. Handy im Spülwasser. Arm gebrochen. Blöder Chef. Immer nur Probleme… Probleme zeigen sich in allen Lebensbereichen in den vielfältigsten Ausprägungen. Jeder hat sie. Jeder hasst sie. Weil sie uns irgendwie von der perfekten Welt entfernen.
Mit ist mal der Koffer bei einem Überseeflug abhandengekommen. Ich hatte ein wichtiges Meeting in den USA mit dem kompletten Vorstand. Der Dresscode war klar. Anzug, Schlips und Kragen. Das war nun aber alles im Koffer; am Körper fanden sich eine schlichte Jeans und ein gemütliches Sweatshirt. Zeit, einen neuen Anzug zu kaufen, blieb auch nicht. Ich war zerknirscht bis panisch. Wie sollte ich dort auftreten? Lieber absagen? Ich hatte ein echtes Problem! So dachte ich. Denn ich hatte ein Idealbild im Kopf. Ich bin ein Anzugträger unter Anzugträgern, denn nur so kann ich auf Augenhöhe mit dem Vorstand ins Gespräch kommen und mir den tollen Beratungsauftrag angeln.
Ich hörte in mich rein, um zu sehen, wie sich das Problem anfühlt. Hatte ich wirklich ein echtes Problem? Könnte ich nicht einfach diese Idealvorstellung loslassen? War ich nicht genauso kompetent in Jeans und T-Shirt? Ich kaufte also eine Zahnbürste am Flughafen, fuhr zum Meeting, spazierte in den Besprechungsraum, erzählte die Geschichte vom verschollenen Gepäck, und schon war das Eis gebrochen. Der ganze innere Stress war schlichtweg umsonst. Denn jeder Mensch hat selbst in der Hand, wie er die Ereignisse wahrnimmt. Und vor allem, wie er sie bewertet.

Es ist gar nicht so einfach, ein Problem zu haben

Um überhaupt ein Problem zu haben, brauchen Sie ein Subjekt. Jemanden, der eine Situation, eine Beziehung, ein Ereignis, wahrnimmt und einordnet. Ohne dieses Subjekt ist ein Ereignis einfach nichts. Weil keiner da ist, ihm eine Bedeutung zu geben. Ferner brauchen Sie für die gelungene Problemkreation eine Idee, eine Idealvorstellung, wie etwas zu sein hätte, damit es gut ist. Dann kommt die Wahrnehmung hinzu. Denn nur, wenn Sie den Gap zwischen realem Jetzt und der Idealvorstellung wahrnehmen, hat das Problem eine Chance, sich zu manifestieren. Der Istzustand weicht ab vom Idealzustand. Sie bemerken die Lücke vom Ist zum gefühlten Soll. Und dann bewerten Sie diese Lücke. Sie stellt sich Ihnen in den Weg. Sie macht zusätzlich Arbeit. Oder sie erzeugt womöglich Gefühle, die Sie gar nicht haben wollen. Problem erkannt! Aber keineswegs gebannt.
Sie sehen: Ein Problem zu haben, ist ein komplizierter, erkenntnistheoretischer Vorgang, für den es ein ziemlich komplexes Denken braucht. Und an erster Stelle der Kette steht das Subjekt, das Ich. Es nimmt etwas wahr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas für wahr nehmen. Aber ist es wirklich wahr? Unsere Wahrnehmungen sind immer verzerrt, denn sie korrespondieren mit unzähligen Faktoren. Mit Glaubenssätzen, kindlichen Verletzungen, Urängsten, Selbstwertdefiziten, alten Mustern und Triggern, Demütigungen…

Probleme neu bewerten mit „The Work“

Für die Lösung braucht es eine veränderte Bewertung und erst dann – wenn überhaupt – ein lösungsorientiertes Handeln. Eine besonders hilfreiche Problembetrachtungs- und Bewertungsstrategie liefert die amerikanische Autorin Byron Katie in ihrem Bestseller „The Work“. Ich kenne kaum etwas Hilfreicheres für scheinbar verfahrene Momente, in denen uns die Gedanken- und Gefühlswelt ein Schnippchen schlagen will. Hier mal die Kurzversion, die für den Einsteiger besonders gut bei Bewertungen zu anderen Menschen funktioniert:
Denken Sie an das Problem oder die mit negativen Emotionen belastete Situation. Und dann stellen Sie sich folgende Fragen:

1. Ist das wahr?
2. Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
3. Wie reagiere ich (was passiert in mir), wenn ich diesen Gedanken glaube? Wie sind meine körperlichen Empfindungen, wenn ich diesen Gedanken habe? Wie behandele ich mich und andere, wenn ich diesem Gedanken nachgebe?
4. Wer wäre ich ohne den Gedanken?

Wenn Sie diese vier Schritte machen, wird es richtig spannend: Denn jetzt können Sie Ihren Gedanken umdrehen. Formulieren Sie ihn neu – mit negativem Vorzeichen sozusagen. Dazu können Sie mehrere Varianten durchspielen. Sind Sie beispielsweise der Überzeugung „Mein Chef sollte mehr Rücksicht auf meine Bedürfnisse nehmen“, können Sie dazu neue Aussagen bilden wie z.B.:

• ICH sollte mehr Rücksicht auf MEINE Bedürfnisse nehmen.
oder
• ICH sollte mehr Rücksicht auf SEINE Bedürfnisse nehmen.
oder vielleicht
• ER sollte mehr Rücksicht auf SEINE Bedürfnisse nehmen.

Merken Sie was? Die Umkehrungen sind eine echte Herausforderung, denn nun sind Sie gezwungen, Ihren Blickwinkel zu verändern. Das ist der Moment, wo Reflexion einsetzt, wo sich Sichtweisen, Gefühle und Gedanken verändern können. Das Problem tritt nach hinten, und Bereicherndes kann entdeckt werden. Aus dem scheinbar rücksichtslosen Vorgesetzten kann so vielleicht sogar ein Vorbild werden. „Er ist zwar immer etwas hart in der Sache, bleibt dabei aber fair und fördernd. Er weiß halt immer, was er will und erzielt mit seiner Klarheit und Konsequenz tolle Ergebnisse für das Unternehmen und unsere Abteilung.“

Probieren Sie es aus und begegnen Sie vermeintlichen Problemen mit einer anderen Sichtweise. Und erst dann suchen Sie nach einer passenden und tragfähigen Lösung.

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