Die Rollen Ihres Lebens – Marionette oder Regisseur?

 In Buddha Management | DE

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum Sie in bestimmten Situationen immer gleich reagieren? Die bequeme Antwort wäre: „Weil ich nun einmal so bin, wie ich bin. Ich bin mir treu in dem, was ich tue.“ Ein schöner Gedanke, aber stimmt das tatsächlich? Ist Ihr Verhalten wirklich eine bewusste und selbstbestimmte Entscheidung? Entscheiden Sie selbst, wie Sie auf eine Situation reagieren, welche Sprache Sie wählen, in welcher Tonlage Sie reden und wie Sie sich in der Situation und danach fühlen? Oder sind es vielmehr erlernte Muster, die all dies in Ihnen steuern? Muster, die Ihnen helfen, angemessen auf Erwartungen zu reagieren, die von außen an Sie herangetragen werden? Ist Ihr Verhalten also tatsächlich frei gewählt oder eher ein unbewusster Versuch, Erwartungen zu erfüllen?
Lassen Sie mich das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen: Stellen Sie sich bitte einmal vor, dass Ihr Mitarbeiter zu Ihnen ins Büro kommt und Sie fragt: „Denken Sie nicht, dass Sie zu viel Zeit auf der Arbeit verbringen?“ Wie würden Sie reagieren? Was würden Sie antworten? Welches Gefühl löst die Frage in dieser Situation in Ihnen aus? Jetzt stellen Sie sich vor, dieselbe Frage käme aus dem Mund Ihrer Mutter. Wäre Ihre Antwort dieselbe? Oder Ihre Emotionen? Vermutlich nicht. Und genau hier stellt sich die Frage: Wem gegenüber antworten Sie warum in welcher Weise? Können Sie das steuern?

Ohne Rollen kein Miteinander

Keine Sorge, dass wir uns alle in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich verhalten, ist ganz normal und durchaus nützlich. Je nach Situation schlüpfen wir in verschiedene Rollen, die uns den sozialen Umgang erleichtern und uns angemessen reagieren lassen. Im Büro sind Sie Führungskraft, bei Ihren Eltern sind Sie immer Kind – egal, ob Sie fünf oder fünfzig Jahre alt sind. Jeder stellt Erwartungen an die Umwelt, unbewusst und zu jeder Zeit. Auch Sie selbst. Wenn Sie in ein Flugzeug steigen, erwarten Sie, dass der Pilot Sie sicher an Ihr Ziel bringen wird. Von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin erwarten Sie Unterstützung und ehrliches Feedback, von Ihrem Nachbarn eine nette Begrüßung, wenn Sie sich morgens am Gartenzaun begegnen. All das hat Ihr Geist gelernt, abgespeichert und abrufbereit (wie Sie Ihren Geist kontrollieren lernen und trainieren, schildere ich in diesem Blogbeitrag). Sie projizieren Ihre Erwartungen auf andere und erwarten, dass diese sich entsprechend der ihnen zugewiesenen Rollen benehmen. Ebenso wie diese das bei Ihnen voraussetzen.
Rollen helfen bei der Erfüllung von Erwartungen und das ist gut so, denn die Alternative wäre anstrengend und zeitaufwändig: Wir müssten jederzeit und in jedem Moment neu überlegen und bewerten, welches Verhalten jetzt gerade angemessen und erwünscht ist. Rollen geben uns also Sicherheit und Orientierung und sie reduzieren die Komplexität im täglichen Miteinander.

Sie sind der Regisseur!

Gefährlich wird es jedoch, wenn wir uns unserer Rollen, den mit ihnen verbundenen Erwartungen und unserer einprogrammierten Reaktionen nicht mehr bewusst sind. So kann eine Rolle beispielsweise zum Korsett werden: Als Kind haben Sie gelernt ein starker Junge zu sein, als Manager können Sie Ihre eigenen Schwächen nicht wahrnehmen und nicht um Hilfe bitten. Wenn eine Rolle zu stark und übermächtig wird, dann können wir gar nicht anders, als aus dem erlernten, unbewussten Verhaltensmuster heraus zu reagieren: Manche Menschen sind immer im Dienst, selbst daheim bei ihrer Familie können sie den Habitus des Chefs nicht ablegen.
Wenn wir uns unserer Rollen nicht bewusst sind, kann es auch leicht passieren, dass ein äußerer Trigger uns in ein bestimmtes Rollenverhalten fallen lässt, das in der aktuellen Situation alles andere als hilfreich ist: Der Chef wird laut und plötzlich werden Sie zum kleinen Kind, das vor dem übermächtigen Vater keinen Ton mehr herausbringt.
Sie werden zum Opfer Ihrer Rollen, zum Spielball Ihres unbewussten Geistes. Doch es gibt einen Ausweg: Wenn Sie sich Ihrer Rollen und Ihrer inneren Programme bewusst werden, können Sie frei entscheiden, wann eine Rolle sinnvoll und angemessen ist und wann eben nicht. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Rollen, mit äußeren Erwartungen und inneren Reaktionsprogrammen ist gewiss anstrengend, aber auch sehr lohnenswert: Ihr Gewinn sind mehr Selbstbestimmtheit, Autonomie und Authentizität.

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